An den wütenden SUV-Fahrer heute morgen

Lieber Autofahrer,

 

Du hast mich gerade angehupt und beim Überholen meines Fahrrades wild den Kopf geschüttelt. Offenbar bin ich Deiner Meinung nach nicht nah genug am Bauzaun entlang gefahren, der am rechten Fahrbahnrand stand. Der mit den Warn-Baken, deren Sockel in die Fahrbahn ragen, Du weißt schon. Okay, für Dein SUV ist das kein Problem, da fährst Du locker drüber. Du nimmst Dir sowieso immer den Platz, den Du brauchst. Zum Beispiel in der zweiten Reihe vor dem Bäcker oder dem Geldautomaten, wenn Dein Panzer nicht in die Parklücken passt oder einzuparken einfach zu aufwendig ist. Man muss nur den Warnblinker anschalten und schon ist man „Kurzzeitparker“. Die Taste nenne ich schon liebevoll „Brötchenhol-Taste“.
Aber ich mache Dir keinen Platz. Ich halte den Seitenabstand ein, den ich brauche. Warum sollte ich Dir Platz machen? Mein Fahrrad transportiert genauso viele Menschen zur Arbeit wie Die 520 PS Deines Porsche Cayenne Turbo. Ich verpeste dabei aber nicht die Luft, vergrößere keine Schlaglöcher, gefährde keine anderen VerkehrsteilnehmerInnen, halte mich an die Straßenverkehrsordnung, verstopfe nicht die Innenstadt und blockiere nicht anderen Leuten den Weg zur Arbeit. Ich sehe es einfach nicht mehr ein, mich nur am äußersten Rand des Fahrstreifens, möglichst sogar auf der Fahrbahnmarkierung selbst zu bewegen. Ich brauche Platz und werde ihn mir nehmen, denn ich habe den gleichen gesetzlichen und den höheren moralischen Anspruch darauf.

 

Viele Grüße
Jan Peter

4 Gedanken zu „An den wütenden SUV-Fahrer heute morgen

  1. Die Begründungen sind nachvollziehbar. Die Verteilung von Idioten und Menschen mit Verstand hängt aber wie üblich nicht vom Gebrauch des jeweiligen Fortbewegungsmittels ab. Was man berücksichten sollte, ist, dass derzeitige Fahrbahnen derart autogerecht zugeschnitten sind (Belag, Schilder, Fahrbahnstreifenbreite, etc.), dass der Autofahrer quasi intuitiv annimmt, diese seien nur für ihn geschaffen worden. Das Problem liegt demnach nicht nur beim Autofahrer.

    Kurze Anmerkung zum Begriff „VerkehrsteilnehmerInnen“: Im Deutschen gibt es das generische Maskulinum, mit dem man die neutrale Mehrzahl beschreibt. Durch einfache Verwendung von „Verkehrsteilnehmer“ wären alle Beteiligten abgegolten. Schon die Betrachtung anderer natürlicher Sprachen stellt dieses virtuelle Problem auf tönerne Füße.

    Beste Grüße

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