Geruchsfernsehen

oder genauer gesagt: Stinkekino.
Ich hatte schon angekündigt ins Kino gehen zu wollen. Samstag war es dann soweit. Aber was sich dort, abgesehen vom recht guten Film mit dem Zauberlehrling H.P. abspielte, ist durchaus berichtenswert. Menschen, die zu Spontanherpes neigen, seien jedoch gewarnt.

Wir kamen recht spät ins Kino, die ersten Werbefilmchen begannen gerade und es war auch ziemlich voll. Nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten, stellten wir einen befremdlichen Geruch fest. Zudem war es heiß und stickig, da die Lüftung gegen die Ausdünstungen der Menschenmasse nicht ankam.
Der Geruch lies sich leider äußerst schnell lokalisieren, er wog circa 150 Kilo, stopfte Käse-Nachos in sich hinein und hatte seinen teigigen Ellenbogen in meine Rechte Seite gebohrt.
Der Kerl merkte nicht, wie ich sachte mit meinem Ellenbogen meinen bezahlten Platz verteidigte oder seine Jacke von meinem Platz zurück auf seinen Platz stopfte.
Wenn man mit Nachos krümelt, braucht man in meinen Augen ja kein schlechtes Gewissen haben, wenn man die Überreste im Kino verteilt. Die astronomischen Eintrittspreise beinhalten ja auch die Grundreinigung der Teppichböden. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese von den enormen Oberschenkeln immer in Richtung Nachbarschaft gefegt werden dürfen.

Harry Potter dauert 160 Minuten, davor liefen 45 Minuten Werbung. Folglich wurde der Film mitten in der Handlung für eine Pause unterbrochen. Ausgiebiges Armstrecken seitens meines Nachbarn brachte eine ungeahnte Dunstwolke, die sich ringförmig ausbreitete und Übelkeit hervorrief. Da wir den Eingang zum Kinosaal im Rücken hatten, hörten wir auch die von Popcornkauf und Toilettengang zurückkehrenden Menschen, die den Saal betraten und riefen: „Hier ist aber auch gut Gemme drin!“
– Aja. Gut erkannt. Den Kampf um meine Hälfte der Armlehne hab ich schnell aufgegeben. Schließlich hatte ich ja noch eine bezaubernd besetzte linke Seite, zu der ich mich flüchten konnte. Und auf Körperkontakt mit der rechten Seite war ich wirklich nicht aus. Nur meine Rippen verteidigte ich vehement mit gezielten Vorstößen gegen die schier unglaubliche Masse. Nebenan wuchs die Ignoranz wohl seit frühester Kindheit mit dem Gewicht.

Nach dem Film war mir übel.

3 Gedanken zu „Geruchsfernsehen

  1. Bäh!
    Aber sei froh, dass es nur Kino war. Ich hatte sowas mal auf nem Flug von Houston nach Amsterdam. Die Hölle über den Wolken.

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