Ein Tag im Leben eines Kaufhausnikolaus

Für den „guten Zweck“ hab ich mich erbarmt und einen Tag in einem großen Kaufhaus in Münster den Nikolaus gemimt.

nikolaus

Zunächst bleibt festzuhalten, dass ich nicht Weihnachtsmann gespielt habe, sondern den Bischof von Myra verkörperte, wie es sich für eine von katholischer Seite organisierte Aktion gebührt. Die zahlreichen Gäste aus den Niederlanden hielten mich zwar für „Sinterklaas„, aber damit konnte ich gut leben.

Meine großartige Aufgabe im Bischofsgewand bestand darin, Luftballons auf allen Etagen an die Kinder zu verteilen. Nebenbei habe ich auch noch vielen Einkäufern eine frohe Adventszeit gewünscht und den ein oder anderen Mitarbeiter aufgeheitert.

Was soll ich sagen: Auf der einen Seite ist es ziemlich anstrengend, den ganzen Tag Rolltreppe zu fahren verkleidet durch ein Kaufhaus zu tapern und von jedem zweiten Kunden angesprochen zu werden. Auf der anderen Seite ist es schon sehr lustig und interessant Kinder zu erschrecken hinter die Kulissen des Kaufhausbetriebs zu blicken und völlig im Mittelpunkt zu stehen.
Selten wollten mich so viele Menschen fotografieren, selten habe ich auf Rolltreppen so viele Gespräche geführt und selten waren die VerkäuferInnen im Hause K. so freundlich.

Drei „Einzelschicksale“ möchte ich noch zum Besten geben, auch wenn ich sicherlich mehr Anekdoten erzählen könnte.

1. Carsten* und die Carrerabahn
An der Carrerabahn sah ich einen potentiellen Abnehmer für einen meiner Ballons. Mit einer Traube von etwa zehn Werbeträgern suchte ich ständig das Kaufhaus ab, auch wenn gar nicht so viele Kinder zu Besuch waren. Insbesondere in der Spielzeugabteilung herrschte zeitweise Kindermangel. Aber man nimmt die Kleinen ja auch nicht mit zum Geschenkekauf. Umso erfreuter war ich über den kleinen Kerl, der mit Papa die Carrerabahn testete. Er bedankte sich nicht nur artig für den Luftballon, sondern auch für die anderen Geschenke. Zum Glück begriff ich sofort, dass es wohl einiges zum Nikolaus gegeben hatte und er darüber sehr froh war. Mit netten Worten überließ ich Vater und Sohn wieder der Carrerabahn. Vielleicht gibt es die ja bei denen vom Christkind.

2. Luzy und die lila Mütze
Regelmäßig verschwand ich durch das Filialbüro in den Katakomben, um in der „Schauwerbeabteilung“ mit einem Kompressor neue Ballons aufzublasen. Manchmal hatte ich auf dem Rückweg noch einen einzelnen Ballon bei mir, denn der letzte erwies sich oft als „Ladenhüter“.
Mit einem solchen einzelnen Ballon in der Hand sah mich ein kleines Mädchen durch das Büro verschwinden, ohne dass sie von mir bemerkt wurde. Als ich nach einigen Minuten mit neuen Ballons zurückkam, bemerkten die Mitarbeiterinnnen des Büros, dass ich gesucht würde und zwar von einer ganz süßen Jungen Dame, die den Nikolaus mit einem Ballon verschwinden sah und diesen gerne um den Ballon gebeten hätte.
So nette Klienten hat der Nikolaus nicht ständig, also machte ich mich auf die Suche in der Kinderabteilung. Personenbeschreibung: Lila Mütze, ganz süß.
Nunja, lila ist gerade Modefarbe und die erste lila Mütze gehörte eine Mit-Dreißigerin. Die wollte weder Ballon, noch sah sie besonders süß aus.
An einem Kinderklavier sitzend sah ich dann die kleine Luzy. Ganz versunken in die vielen Knöpfe bemerkte sie mich nicht, sondern spielte erst zu Ende, als sie von ihrer Mutter auf die bärtige Gestalt mit den Luftballons aufmerksam gemacht wurde. Das Strahlen entschädigte für viele Stunden kratzigen Bart.

3. Berthold und die brave Berta
Doch nicht nur Kinder zählten zu meinen Kunden. Auf einer Sitzgelegenheit hatte ein älteres Pärchen Platz genommen. Der Mann empfahl mir, seiner Frau keinen Luftballon zu geben, da sie nicht artig gewesen sei.
„Gut“, dachte ich mir, „auf den Spaß gehe ich jetzt ein!“
Ich redete dem Ehemann – sehr zur Freude seiner Frau – ins Gewissen. Er möge doch mal genauer hinsehen, wie brav seine Frau doch ist. Anscheinend kümmere er sich nicht genug um sie, sonst hätte er diese Tatsache sicher längst festgestellt. Unter Lachen übergab ich ihr einen Ballon und ihm die Empfehlung, gleich im Laden ein passendes Geschenk für seine liebe Gattin zu suchen.

Dumme Sprüche gab es an dem Tag kaum – jedenfalls nicht von Kunden. Die waren alle sehr angetan (oder ihnen war es vollkommen wurscht) vom Nikolaus im Kaufhaus.

Herzliche Grüße an dieser Stelle an meine vielen Kollegen (und Kolleginnen als Engel) und einen frohen Weihnachtseinkauf…

*Die Namen sind natürlich frei erfunden.

5 Gedanken zu „Ein Tag im Leben eines Kaufhausnikolaus

  1. Sehr schöner Bericht!

    Da hast du sicher nicht nur vielen Kindern eine Freude gemacht.

    Philo (von den Heinzis :-) )

  2. Das hast du aber sehr schön geschrieben! Ich kann mir schon denken wie es ist in lauter strahlenden Kinderaugen zu schauen! Ganz liebe Grüße, Lupinchen!

  3. Klasse Bericht,
    besonders freue mich über jeden Bischof von Myra. Mit dem Weihnachtsmann kann ich mich nicht so gut anfreunden, denn ich glaube ja an das Christkind. :-)

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