Die Auswirkungen von Playmobil auf die Geschlechtergerechtigkeit

Meine Nichten spielen gerne mit Playmobil. Anlässlich der frühjährlichen Geburtstage habe ich für den Geschenkeeinkauf einen Playmobil-Prospekt aus dem benachbarten Spielwarengeschäft besorgt und durchgeblättert. Schon früher war das Katalog-Studium verbunden mit Wunschäußerungen eine beliebte Beschäftigung bei mir (Papa, die Silver Ranch hab ich nie bekommen!). Heutzutage fand ich nicht nur spannend, die neuesten Produkte zu sehen, sondern auch mal einen Blick auf die Rollenverteilung von Männern und Frauen zu werfen. Als engagiertes Mitglied eines Kinder- und Jugendverbandes, der sich Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben hat, fiel mir dramatisches ins Auge.

Um meine Beobachtungen zu bestätigen, habe ich eine Strichliste geführt und nun kann ich schwarz auf weiß anhand des Kataloges belegen, dass in der Welt von Playmobil das klassische Rollenbild von Mann und Frau gefördert wird. Frauen gehören an den Herd, Männer sind für Abenteuer zuständig.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, 24 ausgewertete „Themen“ (z.B. Zirkus, Safari, Ritter, etc.) vorzustellen.

Daher möchte ich nur kurz auffällige Häufungen präsentieren und zu denken geben, ob die Auswahl der Hersteller nicht auch Einfluss auf die Vorlieben der Kinder hat, die mit dem Spielzeug intensiv umgehen.

Es bleibt auch offen, ob Themen, in denen nur wenige oder keine Frauen auftauchen allein schon deshalb bei Mädchen unbeliebt sind oder den Mädchen vorenthalten werden.

Beispiel 1: Hubschrauber, Motorräder, Quads, etc.

Potentiell gefährliche Fahrzeuge werden ausschließlich von Männern bedient. Ausnahme bildet ein „Amphibientruck“ der von einer Frau gesteuert wird und ein Cabrio. Das Männer keine Kinderwagen schieben, erscheint nur konsequent.

Beispiel 2: In der Schule

Mathe, Werkunterricht und Sport unterrichten Männer, Bio die Frauen, diese sind auch in der Mehrheit. Der Hausmeister ist ein Mann, die Kinder werden natürlich von den Müttern zur Schule gebracht. Kinder werden generell in den seltensten Fällen mit Vätern dargestellt.

Beispiel 3: Familienleben im neuen Wohnhaus

Männer stehen am Grill oder sitzen im Sessel/auf dem Sofa. Frauen füttern Babys, wuseln in der Küche herum oder arbeiten im Garten. Wer im „Hauswirtschaftsraum“ bügelt und die Wäsche aufhängt, ist klar. Drei Frauen werden sitzend oder liegend dargestellt.

Beispiel 4: Wo Playmobil „gegendert“ ist

In einigen Bereichen sind Frauen bei Playmobil tatsächlich berufstätig. Es gibt eine Babynotärztin, Tierärztinnen, Lehrerinnen, Polizistinnen, Forscherinnen.

Auf der Großbaustelle, bei den schweren Baufahrzeugen, Rittern, Piraten, Abenteurern, Ägypternund im Drachenland findet man praktisch keine Frauen. Kein Wunder, dass Jungen Bagger interessanter finden als Mädchen dies tun.

So, genug davon. Bei Lego ist es wahrscheinlich genau so schlimm.

Ein Gedanke zu „Die Auswirkungen von Playmobil auf die Geschlechtergerechtigkeit

  1. Muss ich mir jetzt Sorgen um das Rollenverständnis meiner Töchter machen ? Ihr Vater ist eigentlich ziemlich oft nicht da, da bleibt aller Haushaltskram nun mal an mir hängen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Meine Mädchen haben das „Rosa-Gen“, sie wollen Prinzessin spielen und nicht Bagger fahren. Und wenn Sie Vater-Mutter-Kind spielen, ist der Vater häufig gestorben, weil niemand ihn darstellen will.
    Im übrigen bin ich mit den gleichen Rollenverhältnissen aufgewachsen. Hat es mir geschadet? Wahrscheinlich schon. Wir sollten Playmobil verklagen.

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