Irland-Tagebuch 2012 – Tag 10

Letterfrack – Achill Island
Jetzt war es langsam genug mit Letterfrack. Nach einem kurzen Provianteinkauf im örtlichen Shop ging es die Bundesstraße hoch nach Norden. Bereits nach fünf km hatten wir den ersten Stop eingeplant. Wir wollten uns Kylemore Abbey, eine gotische Klosteranlage, wenigstens von außen ansehen. Aber da die Iren selbst dafür Geld haben wollten, fuhren wir nach einem Foto weiter. Nach einer Weile ließ der Verkehr merklich nach und die Landschaft wurde wilder, weiter. Auf die Achill-Island kann man über eine Brücke fahren. Zum Glück, sonst wäre dort vermutlich noch weniger los. Das Hostel ist ein altes Jagdschlösschen, das in den 90ern renoviert wurde und seitdem verschimmelt vielleicht mal wieder generalgereinigt gehört.
Es scheint so zu sein, dass Eigentümer, die neben dem Hostel noch Gastronomie betreiben, manchmal etwas nachlässig werden.
Unser Wirt in Letterfrack hatte uns darauf hingewiesen, dass auf Achill Islands die höchsten Seeklippen Europas seien. Die wollten wir uns nicht entgehen lassen, doch leichter gesagt als getan. Den grundsätzlichen Standort konnten wir einer Karte entnehmen, also fuhren wir Richtung Westzipfel der Insel. Der Zwischenstopp (Tee und warmer Schokoladenkuchen mit Vanilleeis) wurde recht lautstark durch eine Horde bajuwarischer Motorradfahrer unterbrochen, die verzweifelt aber beharrlich versuchten, Kaffee und Kuchen zu bestellen. Dieses bairisch-Englisch kann aber auch kein Mensch verstehen.
Am Ende der Insel dann die Ernüchterung: der scheinbare Wanderweg ist ein Fluß, Wegweiser oder wenigstens ein Trampelpfad waren Fehlanzeige. Nach einigen Minuten drehten wir um, da dass Ziel zwar zu erahnen, aber mangels Weg und wegen der Hindernisse nicht zu erreichen war.
Doch manchmal muss man nur Glück haben. Kurz vor dem Parkplatz fragten wir eine kleine Gruppe, die auch dort umherirrte, ob sie den Weg zu den Klippen kennen würden.
Sie kannten! Die Dame habe hier als Archäologin gearbeitet, das (von uns vorher völlig ignorierte) verfallene Haus dort drüben sei dies des Captain Boycott (ja, der Boycott!) und wenn man der Mauer dort drüben folge, bei den zwei Schafen da hinten abböge und über diesen Kamm liefe, könne man die Flüsse gut überqueren und könne man direkt hoch zur Steilküste. Perfekt, genau so machten wir es dann. Der Ausblick war atemberaubend – schlecht. Wir waren im Laufe des Anstiegs über feuchte Wiesen in einer Wolke gelandet und man konnte das Meer 250 Meter unter uns nicht sehen. In Irland ändert sich das Wetter jedoch manchmal binnen Minuten und so verzog sich die dicke Wolke dann doch und gab den Blick in die Tiefe frei. Herrlich! Und endlich mal eine Unternehmung, die abseits der Reiseführer-Empfehlungen lag. Diesen Ausblick hatten wir uns – mit etwas Glück – selbst erarbeitet.
Zurück im Hostel gab es dann auch nur noch Abendessen (man möge raten) und ein Pint im angegliederten Pub. Einen Ort zum Erkunden gab es nicht, man hätte allenfalls die Schlaglöcher in der Nachbarschaft zählen können.

2 Gedanken zu „Irland-Tagebuch 2012 – Tag 10

  1. Das war echt ein Highlight. Ich hab nicht gewusst, dass die Bedienung das Stück Schokotorte erhitzen würde. Als sie das Stück aus der Vitrine nahm und verschwand, hoffte ich schon auf Schlagsahne. Microwellen-Erhitzung und eine Kugel Eis waren natürlich um Längen besser.

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