Jugendverbandsarbeit wirkt nach

Ich möchte gerne ein paar Gedanken zur Wirkung und Rolle der (katholischen) Jugendverbandsarbeit loswerden, die mir im Zuge des Vorfalls in Münster gekommen sind. Wer über den Ablauf der Ereignisse Bescheid weiß, möge runterscrollen, alle anderen finden nachstehend die Kurzfassung mit weiterführenden Links.

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Für diejenigen, die nicht wissen, was passiert ist, empfiehlt sich beispielsweise die Lektüre der örtlichen Kirchenzeitung. https://www.kirche-und-leben.de/artikel/bistum-muenster-kuendigt-konsequenzen-fuer-pfarrer-zurkuhlen-an/

Das Bistum Münster hat meiner Meinung nach auf die Vorfälle sehr souverän reagiert:

„Pfarrer Ulrich Zurkuhlen ist es verboten, sich weiterhin in dieser Sache zu äußern, sei es schriftlich oder mündlich. Ich möchte dadurch verhindern, dass er weiterhin die Betroffenen mit seinen unsäglichen Thesen belästigt.

Ich habe ihm mit dem heutigen Tage jeglichen Dienst als Seelsorger untersagt, die öffentliche Zelebration und Predigt. Außerdem wurde ihm die Beichtvollmacht entzogen. 

Ich erwarte von ihm eine glaubhafte schriftliche Entschuldigung gegenüber den Betroffenen, gegenüber der Gemeinde, den Kolleginnen und Kollegen, gegenüber all den Menschen, die er verletzt hat.

Mit dem heutigen Tag habe ich Pfarrer Zurkuhlen in den Ruhestand versetzt und die Bezüge gekürzt.

All dies bedeutet, dass Pfarrer Zurkuhlen nicht mehr als Seelsorger tätig sein kann und darf. Wenn einer meiner Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen solche Thesen vertritt, kann er nicht weiterhin im Dienst bleiben.“ – (Bischof Felix Genn auf der Pressekonferenz am 10. Juli) 

https://www.bistum-muenster.de/startseite_aktuelles/newsuebersicht/news_detail/nulltoleranz_gegenueber_unsaeglichen_aeusserungen/

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(Aufhören zu scrollen bitte)

Zurück zu meinem Anliegen.
Was mir im gesamten Ablauf der Ereignisse deutlich geworden ist, ist die Wirkung, die Jugendverbände in der Gemeindearbeit entfalten. Dazu möchte ich jetzt einige Thesen aufstellen.

Jugendverband wirkt nachhaltig in der Gemeinde

In der Jugendarbeit ist man nicht ewig tätig. Irgendwann fühlt man sich vielleicht zu alt und sucht sich andere Betätigungsfelder – auch in der Pfarrgemeinde. Die Prinzipien und Werte der Jugendverbandsarbeit werden dadurch in die Gruppen und Gremien der Gemeinden weitergetragen.

Ich bin davon überzeugt, dass ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit ins „spätere“ Leben hineinwirkt und dass viele Jugendverbandler*innen an vielen Stellen unserer Kirche gut tun. In allen Positionen.

Jugendverband macht sprachfähig

Im Jugendverband lernen wir, Probleme zu erkennen, zu beschreiben und zu lösen. Wir sprechen Ungerechtigkeiten an und sehen nicht weg.

Ich glaube, dass die Kompetenzen der Verbandler*innen vor Ort ihren Teil dazu beigetragen haben, sich nicht mit der Predigt von Pfarrer Zurkuhlen abzufinden und sich über das Verlassen des Gottesdienstes hinaus mit den Aussagen zu beschäftigen. Meiner Meinung nach gibt es kaum ein Betätigungsfeld, in dem man sich so gut ausprobieren und lernen kann, wo es Rückmeldung und Wertschätzung gibt und wo man miteinander streiten UND feiern kann wie die Jugendverbandsarbeit.

Jugendverband macht mutig und bricht Machtstrukturen auf

Im Jugendverband lernt man, seine eigene Meinung zu vertreten, auch wenn man damit alleine steht und eine unbequeme Rolle einnehmen muss. Autoritäten in Frage zu stellen wird im Verband gelehrt und gelernt. In der KjG vielleicht ganz besonders.

Jugendverband nimmt Prävention ernst

Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist eine Kernaufgabe der Jugendverbände. Präventionsarbeit ist kein Annex, sondern Bestandteil des Konzeptes.

Der Unterschied zu anderen Arbeitsbereichen liegt nach meiner Beobachtung oft darin, dass in Prävention nicht nur Pflichterfüllung gesehen wird und dass Jugendverbände, die sich dem Thema widmen, dies mit Leidenschaft und vor allem Konsequenz tun. Und das kann mitunter auch anstrengend sein, aber der Schutz von Kindern und Jugendlichen (und Erwachsenen) ist es uns wert.

Für alle diese Dinge, die ich im Verband gelernt habe, sage ich Danke. Danke auch an die engagierten Menschen in Heilig Geist Münster (von denen ich noch einige kenne) und anderswo, denen „dieser Laden“ nicht einfach egal ist. Danke auch an die Leitung des Bistum Münster für einen glaubwürdigen Umgang in dieser Sache.

Quellen:

https://www.bistum-muenster.de/startseite_aktuelles/newsuebersicht/news_detail/nulltoleranz_gegenueber_unsaeglichen_aeusserungen/

https://www.st-joseph-muenster-sued.de/aktuell/meldungen/

https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/predigt-streit-missbrauch-102.html

Die ganze Pressekonferenz gibt es als Video bei Facebook:
https://www.facebook.com/Bistum.Muenster/videos/469927053841581/

Erinnern und Gedenken #70yllf


Ich bin zurück von der Gedenkstättenfahrt, über deren Vorbereitung ich bereits geschrieben hatte. Natürlich gibt es auch von diesem beeindruckenden Ereignis Berichte. Diesmal haben vor allem andere geschrieben und ich war der Redakteur im Hintergrund. Ich bin sehr dankbar für alles, was diese Fahrt ausmachte. Wer möchte, kann also hier weiterlesen:
https://erinnernundgedenken.wordpress.com

… and therefore it can happen again – Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz

Ich habe die große und gute Aufgabe, im Sommer mit vielen hundert jungen Menschen aus verschiedenen Jugendverbänden und -Organisationen die Gedenkstätten Auschwitz und Auschwitz-Birkenau zu besichtigen. Damit die Fahrt gut gelingen kann, ist viel zu tun. Die folgenden Zeilen sind mein persönlicher Reisebericht vom Vorbereitungswochenende, das jetzt gerade, ziemlich genau 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Rote Armee, in Oświęcim stattfand. Ich freue mich über Rückmeldungen und Nachfragen.

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Geschlossen und verboten

Heute vor 75 Jahren hat die Gestapo meine Arbeitsstelle geschlossen, alle zugehörigen Einrichtungen verboten und den Angestellten mitgeteilt, dass sie fristlos entlassen seien. Der Leiter der Einrichtung wollte noch vor den Mitarbeitenden sprechen, die im Sitzungssaal eingesperrt waren – es wurde ihm verwehrt. Darauf betete er mit den Mitarbeitenden ein Vater unser. Dem konnten die verlegenen Nazis nichts entgegensetzen.

Gott sei Dank leben wir nicht mehr unter so einem menschenverachtenden Regime. Der Gedanke an das, was meine Vor-vor-vor-Vorgänger erlebten, bedrückt mich. Aber ich freue mich, dass das Haus nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde und seit vielen Jahren wieder für Kinder und Jugendliche arbeitet.

Auf der Internetseite des Jugendhauses werden die Ereignisse und Berichte in einer tollen Online-Ausstellung aufbereitet.

Das Teil

„das Teil“ ist nicht der Nachfolger von „der Gerät“, sondern eine Publikation des BDKJ Diözesanverbands Köln. Wer mal lesen möchte, was ich so mache, ist herzlich eingeladen, einen Blick in die aktuelle Ausgabe zum Thema (partei-)politisches Engagement zu werfen.

Klick!

Die Auswirkungen von Playmobil auf die Geschlechtergerechtigkeit

Meine Nichten spielen gerne mit Playmobil. Anlässlich der frühjährlichen Geburtstage habe ich für den Geschenkeeinkauf einen Playmobil-Prospekt aus dem benachbarten Spielwarengeschäft besorgt und durchgeblättert. Schon früher war das Katalog-Studium verbunden mit Wunschäußerungen eine beliebte Beschäftigung bei mir (Papa, die Silver Ranch hab ich nie bekommen!). Heutzutage fand ich nicht nur spannend, die neuesten Produkte zu sehen, sondern auch mal einen Blick auf die Rollenverteilung von Männern und Frauen zu werfen. Als engagiertes Mitglied eines Kinder- und Jugendverbandes, der sich Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben hat, fiel mir dramatisches ins Auge.

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Katholikentag II



Da trappeln wir nichtsahnend in Richtung Jugendzentrum und schon treffen wir unsere Bundeskanzlerin, die gerade die Eröffnungsansprache hält.
In unserem Workshop liefen dann Diözesanadministrator Weihbischof Overbeck und Heiner Geißler zu topform auf. Wir natürlich auch.

Insgesamt war es ein schöner Tag und ich freu mich schon auf morgen, da fahr ich mit meiner Mutter nach Osna…